Kapitel 1
•ADRIAN•
Verdammte Scheiße.
Es gibt zwei goldene Regeln, die man auf dem Eis beachten muss: Erstens, vergiss nie das Ziel. Zweitens, gib alles im Spiel, aber bleib sportlich aggressiv, nicht persönlich. Herrgott noch mal.
Es ist, als hätten diese Typen das Memo nie bekommen. Sie sind so verbissen, dass sie dieses Spiel zu einer persönlichen Abrechnung machen. Na schön, von mir aus. Wenn das gegnerische Team Stress mit uns will, dann klären wir das genau hier und jetzt.
Aber das hier, das war viel zu persönlich.
Als könnte er meine Gedanken lesen, knallt die Nummer 22 – Morris – in meine Seite, lässt mich über das Eis schlittern und krachend gegen die Bande prallen, was die Zuschauer dahinter ordentlich erschreckt.
Ich funkelte ihn über die Schulter an, während ich mich auf meinen Schläger stützte, um wieder auf die Beine zu kommen, und mir entging der selbstgefällige Blick auf der Visage dieses Arschlochs nicht, als er davonfuhr.
Oh, das ist definitiv persönlich. Sie haben gerade förmlich um Krieg gebettelt.
Ich fuhr zur Seite der Eisfläche und signalisierte Nate Donovan, unserem Mannschaftskapitän, herüberzukommen. Eine Minute später tauchte er vor mir auf.
„Was los?“
„Merkst du, wie brutal diese Vollidioten da draußen vorgehen?“ Ich deute auf Morris und seine Crew auf der gegenüberliegenden Seite des Eises.
„Ja Mann, die fahren heute schwere Geschütze auf“, antwortet Nate, und ich verziehe das Gesicht und packe ihn an der Schulter.
„Nein, Alter. Die haben ein Problem mit uns und irgendeine Rechnung offen. Morris könnte mir beim nächsten Zusammenstoß genauso gut den Puck direkt ins verdammte Auge schießen. Ich sage, wir geben ihnen, was sie wollen, und schlagen sie mit ihren eigenen Waffen.“
„Nein, Adrian, wir –“
„Ja?“ Ich unterbrach ihn, bevor er ausreden konnte. „Klasse, gutes Gespräch.“
Ich klopfte ihm zweimal auf den Arm, bevor ich zurück zur Mitte fuhr, um mich in Position zu bringen. Die Luft war zum Schneiden dick vor Anspannung, und ich konnte das Gewicht des Spiels auf meinen Schultern spüren.
Als Stürmer positioniert, holte ich tief Luft und zog die Riemen meines Helms fest, während ich mich mental auf die Schlacht auf dem Eis vorbereitete. Die letzte Ansprache unseres Trainers hallte in meinem Kopf wider, als ich mich auf der kalten Oberfläche bereit machte und spürte, wie die Kälte durch die Schichten meiner Polsterung drang.
Der Pfiff des Schiedsrichters durchschnitt die Luft und signalisierte den Beginn des Spiels. Der Puck fiel, und die Spieler prallten mit einer Wildheit aufeinander, die den Ton für das Match angab. Das Eis wurde zum Schlachtfeld, und jeder Schritt, jeder Pass und jeder Schuss trug die Intensität einer Situation in sich, in der es um alles oder nichts ging.
Während der Puck über das Eis zischte, positionierte ich mich strategisch, bereit, den Pass meines Teamkollegen anzunehmen. Die Aggression der gegnerischen Mannschaft war unerbittlich; die Spieler verteilten Bodychecks und ließen die Schläger aufeinanderkrachen wie verdammte Schwerter in einem mittelalterlichen Duell.
Was machen die da, wollen die Blut sehen?
Gerade als sich der Spielzug zu unseren Gunsten entwickelte, bekam ich den Puck, nur um von einem donnernden Check aus dem toten Winkel überrascht zu werden. Die Wucht schickte mich der Länge nach aufs Eis, und der Puck rutschte zum Schläger des wartenden Gegners. Frustration wallte in mir auf, aber ich wusste, dass keine Zeit blieb, um über den Rückschlag nachzudenken.
Während das dritte Drittel dem Ende zuging und die Sekunden verrannen, brauchte unser Team dieses eine entscheidende Tor, um das Spiel zu gewinnen. Entschlossenheit entflammte in mir, als ich mich aufrichtete und den Schmerz des Aufpralls abschüttelte. Das Spiel war noch lange nicht vorbei, und jeder Schritt, den ich machte, wurde von dem Wunsch angetrieben, das Blatt zu wenden.
Zielstrebig fuhr ich übers Eis und fand mich neben Morris wieder, der plötzlich auflachte, als er mich sah.
„Du musst besser aufpassen, Levont. Du wirst ziemlich oft überrumpelt; lässt du etwa nach?“, stichelte er. Ärger flackerte über mein Gesicht, aber ich behielt meinen Fokus auf dem Spiel und ignorierte seine Provokationen.
Mit neuer Entschlossenheit nahm ich Morris den Puck ab und schlängelte mich mit einem explosiven Geschwindigkeitsschub durch die Verteidiger.
Das Tor ragte vor mir auf wie ein greifbarer Sieg, und als ich meinen Hockeyschläger mit tödlicher Präzision schwang, segelte der Puck am Torwart vorbei – genau in dem Moment, als die Sirene aufheulte. Die Menge tobte, und meine Teamkollegen stürmten auf mich zu, um den hart erkämpften Gewinn zu feiern.
„Ja, Baby! Genau so läuft das!“, brüllte ich meine Jungs an, bevor wir mit den Brustkörben gegeneinander prallten.
Ich blickte zu Morris zurück, der stinksauer aussah, und konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. Die Anzeigetafel verkündete unseren Triumph, und die spöttischen Rufe seiner Mannschaft gingen in der süßen Symphonie des Sieges unter.
„Pussy!“, rief ich ihm über das Eis hinweg zu, woraufhin seine Augen Blitze auf mich schossen.
Ich glitt langsam auf ihn zu, gerade als sich ein süffisantes Lächeln auf seinem Gesicht ausbreitete.
„Die einzige Pussy, in der ich gerne ersaufen würde, ist die von deiner Mutter.“
„Was verdammt hast du gerade gesagt?“ Ich stürzte mich sofort auf das Arschloch, noch bevor er reagieren konnte, und schlug ihm mit der Faust ins Gesicht.
Das Chaos brach los, doch jedes Geräusch wurde aus meinen Ohren verbannt, als ich mich auf Morris warf, ihm wiederholt ins Gesicht schlug und ihm Tritte in die Rippen verpasste.
Ein roter Schleier legte sich vor meine Augen; sein respektloser Kommentar über meine Mutter hatte den Schalter umgelegt, und es war mir völlig egal, wie viele Leute uns gerade zusahen. Blinde Wut hatte mein gesamtes Wesen übernommen.
Ich hörte erst auf, als mehrere Armpaare dazwischengingen und mich von dem Wichser wegzerrten, der mit blutüberströmtem Gesicht auf dem Eis lag. Ich starrte ihn immer noch wütend an, als plötzlich der Coach vor mir auftauchte und mir die Sicht versperrte.
„Hey, hey! Reiß dich zusammen!“, schrie er mir ins Gesicht.
Ich presste die Kiefer aufeinander, atmete schwer und gab schließlich dem Griff meiner Teamkollegen nach, die mich festhielten.
„Schafft ihn hier raus, sofort!“, befahl der Coach, und wie aus dem Nichts tauchte Nate an meiner Seite auf und schob mich vom Eis.
Ich wusste, dass ich gerade meinen ganzen Ruf ruiniert hatte, aber ich war mit Morris noch nicht fertig. Wenn ich ihn jemals wiedersehen sollte, würde dieser Hurensohn seine Fähigkeit zu sprechen verlieren, sobald ich ihm den Kiefer ausgerenkt und ein paar Zähne ausgeschlagen hätte.
•KAIA•
„Sie fallen durch meinen Kurs“, erklärte Professor Mellark. Meine Augen weiteten sich vor Schock, als ich die Enttäuschung aufnahm, die sich in ihr Gesicht gegraben hatte.
Auch mir rutschte bei dieser Nachricht das Herz in die Hose.
„Hören Sie, ich verstehe, dass Englisch nicht Ihre Muttersprache ist, aber wenn es um Essays und kreatives Schreiben geht, gibt es einige Grundlagen, die Sie beherrschen müssen. Sie sind eine kluge Studentin, Kaia. Ich schätze Ihre Aufmerksamkeit im Unterricht und Ihre Leidenschaft für das Schreiben. Aber das hier ist nicht mehr die Highschool. Unser fortgeschrittenes Lernprogramm ist komplexer als das, was Sie bisher kennengelernt haben.“
Ich nickte langsam und vermied ihren durchdringenden Blick, indem ich wegsah. Sie seufzte und zog ein Blatt Papier aus ihrem Schreibtisch.
„Wir machen Folgendes: Ich melde Sie für unser Nachhilfeprogramm an. Wir haben einige erfahrene Studenten im zweiten und dritten Studienjahr, die Erstsemestern wie Ihnen helfen, ihre Kurse besser zu verstehen.“
Nachhilfe? Jemand soll mir beibringen, was ich am liebsten tue? Was, wie soll das überhaupt funktionieren?
„So, erledigt. Ich habe Ihren Namen auf die Liste gesetzt. Entspannen Sie sich einfach am Wochenende und kommen Sie am Montag gut vorbereitet wieder. Ich rufe Sie an, um Ihnen Bescheid zu geben, wer bereit ist, Ihnen Nachhilfe zu geben, in Ordnung?“
Ich zwang mich zu einem Lächeln, als ich aufstand. „Ja, danke, Frau Professor.“
„Gern geschehen“, antwortete sie mit einem warmen Lächeln.
Ich verließ ihr Büro, schloss die Tür, stieß einen Seufzer aus und verdrehte die Augen, bevor ich zurück zu meinem Wohnheimzimmer schlenderte.
Toll. Warum dachte ich eigentlich, Englisch wäre einfach, nur weil ich in der Highschool in allen Englischkursen nur Einsen hatte?
Sie hat allerdings recht damit, dass Englisch nicht meine Muttersprache ist. Aber ich habe viel zu viele Filme gesehen, viel zu viele Romane gelesen und sogar angefangen, meine eigenen zu schreiben, nachdem ich die Grundlagen gelernt hatte. Also, um fair zu bleiben: Mein Englisch ist sehr wohl fortgeschritten, vielen Dank auch.
Welche anderen Grundlagen muss ich denn bitte noch lernen?
Meine Güte.
