Thornhill Akademie.

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Das ist definitiv Folter.

Ich durchquerte den Dachboden, und das Echo meiner Stiefel hallte von den breiten, hohlen Dielen wider. Der Raum war riesig, größer als jedes Haus, das ich je betreten hatte, größer als die meisten Scheunen in den Scrubs. Alles war von einer dicken Staubschicht bedeckt: die Dachsparren, die rissigen Balken, die Ecken, in denen Spinnweben wie feine Spitze hingen. Und doch … ich konnte es vor mir sehen. Mit ein bisschen Magie, einem Flimmern von Licht hier, etwas Politur dort, einem Zauber, um den Gestank von Moder und Männerschweiß zu vertreiben, könnte es fast wunderschön sein.

Fast. Als ich umherwanderte, fiel mein Blick auf etwas an der hinteren Wand: ein schwaches Leuchten, nur ein schmaler Streifen, der durch die Dielen drang. Ich ging in die Hocke und fuhr mit den Fingern über die Fuge, bis ich es fand: eine kleine Metallplatte, die zwischen den Brettern eingeklemmt war. Mit einem Ruck schob sie sich zur Seite, und ich sog scharf die Luft ein. Ein Lüftungsschacht. Obwohl er klein und schmal war, führte er direkt hinunter in den Schlafsaal.

Ich drückte mein Gesicht näher an die Öffnung und grinste, als ich die verschwommenen Umrisse eines Schülers sah, der Bücher und Kleidung in eine Tasche stopfte. Er bewegte sich schnell, murmelte etwas vor sich hin, völlig ahnungslos. Ich lehnte mich zurück, ließ meinen Blick über den Dachboden schweifen, und mein Grinsen wurde breiter. Noch mehr Schächte. Dutzende davon, über die gesamte Länge des Bodens verstreut.

„Na, hallo, magische Energiequelle“, murmelte ich vor mich hin.

Ich beugte mich wieder tief hinunter und konzentrierte mich auf den Jungen unter mir. Dieses Summen von roher, unachtsamer, ungeschützter Energie sirrte durch den Schacht wie ein blanker Draht. Ohne nachzudenken griff ich danach und zog gerade so viel an mich, dass ich einen Vorgeschmack bekam. Die Macht glitt sanft und warm in mich hinein und prickelte auf meiner Haut. Nur ein kleiner Schluck. Gerade genug, um mich selbst damit zum Summen zu bringen. Er würde nicht einmal bemerken, dass etwas fehlte. Bis er den Raum verließ, würden sich seine Reserven wieder aufgefüllt haben, und ich hätte meinen Teil bekommen. Ich richtete mich auf, mein Herz raste, und meine Lippen verzogen sich zu einem heimlichen Lächeln. Ja, dieser Dachboden mochte nach Staub und Verwahrlosung stinken, aber er hatte einen verdammt guten Vorteil.

Mit einem leisen Kratzen von Metall auf Holz schob ich die Abdeckung des Lüftungsschachts wieder an ihren Platz und richtete mich auf. Leise summend flüsterte ich die Worte eines alten Zaubers, den ich einmal in einem Buch gefunden hatte, das niemand mir zugetraut hätte zu lesen. Die Luft um mich herum erzitterte, als die Magie in die Balken und Wände einsank und den Dachboden fest versiegelte. Kein Geräusch drang hinein, kein Geräusch hinaus. Ein raffinierter Trick. Einer, der mir öfter geholfen hatte, als ich zählen konnte. Ich stand auf, klopfte mir den Staub von den Händen und hob meine Handfläche. Mit einem weiteren Atemzug ließ ich die geliehene Magie nach außen strömen und in einem scharfen Windstoß über den Boden fegen. Staub wirbelte auf und verschwand dann, sodass die breiten Dielen matt glänzten. Ich ging zu dem riesigen Buntglasfenster und drückte meine Hand gegen das kalte Glas. Der Schmutz löste sich unter meiner Berührung auf, die Farben leuchteten klarer und heller, bis die Morgensonne hereinströmte und rote und blaue Muster über den Boden malte. Für einen Moment stand ich einfach nur da im Licht, mein Brustkorb hob sich, und die Magie summte leise in meinen Adern.

Leise prüfte ich meine inneren Reserven und testete die Anziehungskraft. Ein kleiner Rest war noch da, ein sauberer Vorrat, der in mir verborgen lag. Genug, um darauf zurückzugreifen, wenn es nötig sein sollte. Besser, den Rest aufzusparen. Man wusste ja nie, wann der nächste Kampf oder die nächste Flucht bevorstand. Mit einem Seufzer wandte ich mich der anderen Seite des Dachbodens zu. Dort kauerte der Kleiderschrank, rissig und schief, aber er summte leise vor Magie. Meine Finger strichen über den Griff und ein warmer Funke kroch über meine Haut. Verzaubert. Natürlich war er das. Ich zog die Tür auf und wünschte mir sofort, ich hätte es nicht getan. Drinnen hing die Uniform.

Ich stöhnte laut auf und fuhr mir mit der Hand übers Gesicht. „Das kann doch nicht euer Ernst sein.“

Das Outfit sah aus, als hätte es jemand entworfen, der in seinem verdammten Leben noch nie um sein Leben rennen musste: ein winziger schwarzer Faltenrock, der kaum meinen Hintern bedecken würde, weiße Overknee-Strümpfe, die förmlich sieh mich an schrien, ein steifes weißes Hemd, das zwei Nummern zu klein aussah, und ein kleiner Blazer mit silberner Stickerei, der mich anscheinend mit seiner Förmlichkeit erwürgen sollte. Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, schwarze Stöckelschuhe. Echte Absätze.

Ich hielt den Kleiderbügel hoch und starrte ihn an, als könnte er vielleicht von selbst in Flammen aufgehen.

„Jep“, murmelte ich. „Diese Schule will mich quälen.“

Nachdem ich mich in diese lächerliche Ausrede für eine Uniform gezwängt und meine Beine in diese Overknee-Strümpfe geschoben hatte, warf ich mir die Umhängetasche, die ich im Schrank gefunden hatte, über die Schulter. Sie roch schwach nach Mottenkugeln und Staub, aber immerhin war sie stabil genug, um ein paar Bücher zu tragen – oder einen Ziegelstein, falls ich einen brauchen sollte. Mit meiner glänzenden neuen Demütigung im Gepäck nahm ich die magische Karte in die Hand und stieg die gewundene Dachbodentreppe hinunter. In dem Moment, als ich wieder den Flur des Wohnheims betrat, bereute ich es. Die Blicke trafen mich sofort. Nicht die neugierigen oder spöttischen wie zuvor, diese hier waren anders. Schwer. Verweilend. Hungrig. Gestaltwandler lehnten sich aus ihren Türrahmen, ihre goldenen Augen glänzten, als sie mich verfolgten. Hexenmeister hielten mitten im Gespräch inne, ihre Lippen verzogen sich zu einem Grinsen. Selbst die Fae unter ihnen legten auf diese raubtierhafte, abschätzende Art den Kopf schief, die mir eine Gänsehaut bescherte. Hitze kroch meinen Nacken hoch. Ich ballte die Fäuste, zwang mich aber, weiterzugehen. Ich rückte meine Tasche auf der Schulter zurecht und ließ mein langes schwarzes Haar nach vorne fallen, um mein Gesicht wie einen Vorhang zu verbergen. Mein Blick blieb auf die Karte in meinen Händen geheftet, als wären die leuchtenden Linien und sich bewegenden Symbole das Faszinierendste, was ich je gesehen hatte. Ein Schritt, dann noch einer, den ganzen Flur entlang, durch den großen Gemeinschaftsbereich, vorbei an den anerkennenden Pfiffen und dem Gemurmel.

„Potenzielle Mitbewohnerin?“, murmelte jemand.

„Die hält keine Woche durch“, sagte ein anderer, leise und begierig.

Ich presste die Lippen aufeinander, tat so, als würde ich nichts hören, und ging einfach weiter. Die Karte leuchtete schwach und führte mich durch verwinkelte Gänge und Marmortreppen hinunter, bis die Überschrift in goldenem Licht aufleuchtete: Einführung in die Arkane Theorie – Hörsaal A. Ich atmete tief aus und wappnete mich. Erster Kurs. Erster Test. Und schon jetzt hasste ich alles an diesem Ort.

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