Tätowierter Adonis - Mafia-Romanze

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Kapitel 2 2

Das ist gelogen.

So abwegig ist das gar nicht.

Es gibt nur einen Grund, warum ich diese Lippen berühren wollen würde. Und dieser Grund ist ungefähr so unschuldig wie Rufus’ Annäherungsversuche vor einem Moment.

„… ich habe einfach unterschätzt, wie stark er ist.“ Ich blicke an dem rechten Bein seiner Anzughose hinab. Der einst makellose Stoff ist jetzt zerknittert und voller Sabber und Hundehaare. „Oh Gott. Er hat Ihnen ganz schön zugesetzt, was?“

Ich kann nur daran denken: Wäre das Sergeant Tom Pierce vom Chicago PD passiert, würde mir der Mann ins Gesicht brüllen, während er sich um Rufus „kümmerte“. Mein Vater ist nicht gerade das, was man „verständnisvoll“ nennen würde. Oder „nachsichtig“. Oder „nett“. Er hat absolut nichts für Tiere übrig.

Genau genommen hat er auch für Menschen nicht viel übrig. Verdammt, wenn er Menschen über die Regenbogenbrücke treten und es als „Gnadenschuss“ bezeichnen könnte, würde er es ohne zu zögern tun.

Genau die Art Mensch, von dem man will, dass das CPD ihm eine Dienstwaffe umschnallt und ihn auf die Gesellschaft loslässt, oder?

Ich vergrabe dieses Kindheitstrauma ganz tief in mir und versuche, mich auf den griechischen Gott vor mir zu konzentrieren. Aber bei dem Horror dieser Situation, seinem unverschämt guten Aussehen und der unheimlichen Stille, mit der er mich mustert, breche ich in Stressausschlag aus. Ich spüre, wie sich eine juckende Hitze über meine Brust und meinen Hals hinauf ausbreitet.

„Ich lasse diese Hose liebend gern für Sie in die Reinigung bringen. Ich bestehe sogar darauf.“ Ich strecke eine Hand aus und ergreife endlich die Initiative.

Er blickt auf meine ausgestreckte Hand hinab und zieht eine dichte Augenbraue hoch. „Sie wollen, dass ich meine Hose ausziehe?“

Vielleicht ist so ein Gnadenschuss doch gar keine so schlechte Idee.

„Nein! Ich würde niemals – Natürlich nicht. Das ist überhaupt nicht das, was ich –“

Und dann tut er das Letzte, womit ich gerechnet hätte.

Er lächelt.

Sein markantes Gesicht bricht in ein perfektes Grinsen aus – perlweiße Zähne inmitten eines dichten schwarzen Bartes und ein Grübchen in der rechten Wange, wie ein kleiner Kuss der Götter, die ihn offensichtlich in Handarbeit erschaffen haben.

Ich muss mich buchstäblich an der Rückenlehne der Bank festhalten, um mich auf den Beinen zu halten.

Rufus sieht das offenbar genauso, denn er stellt sich auf die Hinterpfoten und versucht, den Mann wie den Mount Everest zu erklimmen.

„Rufus! Nein, stopp –“

„Sitz.“ Wieder diese Stimme. Purer, dunkler Samt, der sich um harten Stahl hüllt. Sie lässt keinen Spielraum für Missverständnisse.

Ein einziges Wort, und Rufus ist wieder widerwillig gehorsam.

„Sie müssen mir irgendwann mal zeigen, wie Sie das machen“, murmle ich und funkle Rufus an, der nach wie vor nur Augen für seinen neuen Lieblingsmenschen hat.

„Es geht nur darum, ihm zu zeigen, wer der Boss ist. Sie müssen der Alpha sein.“

„Rufus wiegt mindestens dreißig Kilo mehr als ich“, merke ich trocken an. „Ich glaube, wir wissen beide, wer hier der Alpha ist.“

Er schnalzt mit der Zunge – ein Geräusch, das nur so vor Missbilligung trieft. Es sollte mich eigentlich nicht antörnen, aber das tut es absolut. „Es geht nicht um körperliche Größe. Es geht um Charakterstärke.“

Ich hebe meine Hand, mit der ich die Größe andeute, von meinem Kopf irgendwo hinauf in seine Stratosphäre. „Ich glaube, es geht zumindest ein kleines bisschen um die Größe …“

Er lacht leise, und mein Herz legt eine Akrobatiknummer hin, die ich nicht mehr erlebt habe, seit Miles Hertz mich in der zehnten Klasse zu seiner Julia erwählt hat.

Ich dachte eigentlich, ich wäre aus dieser speziellen Art von Teenager-Dummheit herausgewachsen.

Offensichtlich nicht.

„Nochmals, es tut mir wirklich leid“, fahre ich fort, in der Hoffnung, aus dieser Begegnung mit zumindest einem Rest meiner Würde herauszukommen. „Aber sehen Sie es mal positiv: Rufus wird normalerweise nicht so leicht mit Menschen warm.“

„Willst du mir damit sagen, dass ich mich geschmeichelt fühlen sollte?“ Seine große Hand senkt sich auf Rufus’ Kopf, und ich versuche, mir diese Finger nicht woanders vorzustellen. „Nun, ich schätze deinen Enthusiasmus, Rufus, aber normalerweise stehe ich beim ersten Date nicht auf Sex in der Öffentlichkeit.“

„Dann solltest du mich besser nicht um ein Date bitten.“

Kaum sind die Worte aus meinem Mund, erstarre ich.

Habe ich das gerade wirklich gesagt?

Laut?

Zu diesem wandelnden feuchten Traum?

Die silbernen Augen des Mannes schimmern in einer furchteinflößenden Mischung aus Überraschung und Belustigung, die mich beten lässt, dass sich der Asphalt unter mir auftut und mich bei lebendigem Leib verschluckt. „Ist das so?“

Ich fahre mir mit der Hand übers Gesicht in dem Versuch, meine glühende Röte zu verbergen. „Nein! So habe ich das nicht gemeint. Das kam falsch rüber … Es war nur ein Witz!“

„Da bin ich mir sicher“, schnurrt er in einem Tonfall, der verrät, dass er mir keine einzige Silbe glaubt.

Ich beiße mir auf die Zunge, um nicht loszuschreien, dass ich noch nie Sex in einem öffentlichen Park hatte! So wie die Dinge gerade stehen, würde er das wahrscheinlich als Einladung missverstehen.

Ich taxiere die Breite seiner Schultern und diese Baseballhandschuhe, die er Hände nennt, und ich weiß nicht … vielleicht ist es ja eine Einladung …

Aber nein. Definitiv nicht. Schlechte Idee. Die schlechteste Idee überhaupt. Die Art von Idee, die mit meinem Polizeifoto in den Abendnachrichten endet.

Er tätschelt Rufus noch einmal und krault ihn hinter dem Ohr, bis dessen Bein anfängt, auf den Boden zu klopfen. „Wenn du diesen Oger das nächste Mal Gassi führst, würde dir ein nietenbesetztes Lederhalsband vielleicht mehr Kontrolle verleihen.“

„Nietenbesetztes Leder?“, wiederhole ich und versuche, die Bilder von Handschellen, Fesselstricken und einer großen, breiten Gestalt, die immer näher kommt, zu verscheuchen … „Oh, zu solchen Mitteln muss ich nicht greifen. Rufus ist ein braver Junge. Die Peitschen und Ketten hebe ich mir für die bösen auf.“

„Hast du in dem Fall auch ein Halsband in meiner Größe?“

Warnsirenen schrillen in meinem Kopf. Flirt erkannt. Mission abbrechen.

Das ergibt null Sinn. Männer, die so aussehen wie er, flirten nicht mit Frauen, die so aussehen wie ich. Ich gehe im Kopf alle Berechnungen durch, auf der Suche nach irgendeiner anderen Möglichkeit, seine Worte in Kombination mit diesem umwerfenden Grübchen zu deuten. Fehlanzeige.

Ich schlucke gegen mein donnerndes Herz an, das mir bis zum Hals schlägt. „Wenn du nach Privatstunden fragst, muss ich erst in meinem Terminkalender nachsehen. Aber von hier aus betrachtet scheinst du recht gut erzogen zu sein.“

„Offensichtlich kennst du mich nicht besonders gut.“ Er greift in seine Manteltasche und zieht eine elegante schwarze Visitenkarte heraus. „Hier. Nur für den Fall, dass du noch Platz in deinem Kalender findest.“

Ich nehme die Karte entgegen und starre auf die kursiven goldenen Worte, die in das dicke Papier geprägt sind.

SAMUIL LITVINOV: CEO, Litvinov Group

„Willst du, dass ich mit deinem Hund Gassi gehe?“, platzt es aus mir heraus. „Oder mit dir?“

Ich erwarte, dass er mir die Karte wieder entreißt. Dass ihm klar wird, welch schrecklichen Fehler er gemacht hat, einwandfreien Karton an eine Frau zu verschwenden, die nicht einmal eine einzige notgeile Deutsche Dogge bändigen kann. Stattdessen schenkt er mir ein Lachen, das wie warmer Honig meine Wirbelsäule hinabgleitet. „Ich schätze, du wirst mich anrufen müssen, um das herauszufinden, Ms …?“

„Nova. Nova Pierce.“

„Nova“, murmelt er, und verdammt noch mal, mein Name hat noch nie zuvor so geklungen – wie dunkle Schokolade und gebrochene Versprechen. „Es war mir ein unerwartetes Vergnügen, dich heute kennenzulernen.“

Er macht einen Schritt zurück. Rufus stößt ein klägliches Winseln aus.

Nachvollziehbar. Ich muss mein eigenes Winseln hinunterschlucken.

„Sei ein braver Junge, Rufus. Aber vielleicht nicht zu brav.“ Diese arktischen Augen suchen ein letztes Mal meinen Blick, brennend vor etwas, das meine Zehen in meinen abgewetzten Sneakern krampfen lässt. „Die bösen Hunde haben den ganzen Spaß.“

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