Seine Reue, ihre Herrschaft

Herunterladen <Seine Reue, ihre Herrschaft> kostenlos!

HERUNTERLADEN

Kapitel 9 Dunkelheit und Licht

„Du nutzlose Schlampe! Du machst uns nur Schande!“, schrie Martha.

„Gerade erst geschieden und schon rennst du los, um dich zu verhuren? Du hast die Familie Lynn komplett blamiert! Wie kannst du nur so billig sein? Aiden abzuweisen, um diesen alten Männern zu Diensten zu sein? Kannst du nicht ein einziges Mal in deinem Leben zu etwas nütze sein!“

Die bösartigen Worte prasselten wie Hagelkörner auf sie ein.

Keira bedeckte ihre geschwollene, schmerzende Wange, während ihr stumm die Tränen über das Gesicht liefen.

Würde Martha sie etwa auch nicht in Frieden lassen?

Sean schoss in die Höhe und stellte sich Martha in den Weg, die gerade erneut zuschlagen wollte. Sein Blick war scharf wie eine Klinge.

„Raus. Sie sind hier nicht willkommen!“

Martha schreckte vor seiner Präsenz zurück, setzte ihre Tirade jedoch fort.

„Wer zur Hölle sind Sie? Ich weise meine Tochter zurecht – was geht Sie das an? Sie hat es nicht anders verdient!“

Sean deutete auf die Tür, seine Stimme eiskalt. „Ich sagte, raus!“

Martha war von Seans kaltem Auftreten sofort eingeschüchtert.

Doch ihre gierige Natur ließ sich kaum verleugnen. Berechnend huschte ihr Blick umher.

Sie setzte eine klägliche, flehende Miene auf und versuchte, nach Keira auf dem Bett zu greifen.

„Keira, ich habe doch keine andere Wahl! Wir haben kein Geld mehr, und diese Geldeintreiber stehen jeden Tag vor der Tür. Komm mit mir nach Hause. Brandon hat gesagt, wenn du dich bei ihm entschuldigst und mit ihm schläfst, erlässt er uns die Entschädigung und gibt unserer Familie sogar noch eine geschäftliche Chance.“

Bei diesen Worten zerfiel Keiras Herz zu Asche. Ihr Körper begann zu beben, während sie sich instinktiv tiefer in die Bettdecke kauerte.

Sean kochte vor Wut.

Er trat vor und stieß Marthas Hand grob beiseite. Seine Augen loderten.

„Sie wird nirgendwohin mit Ihnen gehen.“

„Sie ist meine Tochter!“ Martha versuchte, ihren drohenden Tonfall aufrechtzuerhalten. „Welches Recht haben Sie, sich in unsere Familienangelegenheiten einzumischen?“

„Weil sie ärztliche Behandlung braucht und Sie sie in den Tod treiben wollen?“ Seans Stimme konnte seine innere Wut kaum verbergen.

Er zog ein Scheckbuch aus der Innentasche seines Anzugs, notierte rasch einen Betrag, riss den Scheck ab und warf ihn Martha förmlich ins Gesicht.

„Dieses Geld sollte der Familie Lynn reichen, um eine Weile über die Runden zu kommen. Nehmen Sie es und verschwinden Sie auf der Stelle. Und wagen Sie es nie wieder, sie zu belästigen! Andernfalls garantiere ich Ihnen, dass die Familie Lynn in dieser Stadt keinen Fuß mehr auf den Boden bekommen wird!“

Als Martha die Summe auf dem Scheck sah, leuchteten ihre Augen sofort vor Gier auf.

Die Gehässigkeit in ihrem Gesicht verwandelte sich auf der Stelle in kriecherische Schmeichelei.

„Mr. O’Neill, Sie sind ja so großzügig! Keira hat wirklich unglaubliches Glück, einen so spendablen, wohlhabenden Mann wie Sie kennenzulernen. Dann passen Sie gut auf sie auf. Ich verschwinde auch sofort.“

Aus Angst, Sean könnte es sich noch einmal anders überlegen, umklammerte Martha den Scheck fest und eilte davon.

Im Krankenhauszimmer kehrte endlich vollkommene Stille ein.

Sean blickte auf Keira hinab, die sich zu einer Kugel zusammengerollt hatte und stumm weinte. Sein Herz war voller Mitleid.

Behutsam deckte er sie zu und sagte leise: „Hab keine Angst. Niemand wird dich je wieder zu irgendetwas zwingen.“

„Lebe einfach. Das ist alles, was ich brauche – ich brauche, dass du lebst.“

Doch trotz dieses friedlichen Moments verbesserte sich Keiras Zustand nicht.

Der Schmerz in ihren Augen nahm zu, und die Schatten in ihrem Sichtfeld wurden immer dunkler.

Als sie ein paar Tage später eines Morgens erwachte, blickte sie in eine vollkommene, endlose Dunkelheit.

Kein Licht. Keine Umrisse. Nichts.

Panisch wedelte sie mit der Hand vor ihrem Gesicht herum, doch sie konnte absolut nichts sehen.

Obwohl sie sich mental darauf vorbereitet hatte, wurde sie augenblicklich von einer überwältigenden Angst verschlungen, als die Dunkelheit tatsächlich über sie hereinbrach.

Sie war blind.

Sean bemerkte sofort ihre Verzweiflung.

Ihre einst so klaren Augen waren nun leer, ohne jeden Fokus.

„Keira?“, rief er sanft.

Keira drehte langsam den Kopf in die Richtung seiner Stimme, während ihr stumm die Tränen übers Gesicht liefen.

„Mr. O’Neill, meine Augen! Ich kann nichts sehen.“

Sean spürte, wie sich sein Herz schmerzhaft zusammenkrampfte. Er drückte sofort den Notrufknopf für den Arzt.

Die Untersuchungsergebnisse waren verheerend.

Die schweren Schäden an Keiras Sehnerv hatten einen kritischen Punkt erreicht. Ihre Erblindung war absehbar.

Das Wichtigste war nun, einen weiteren Anstieg des Hirndrucks zu verhindern, der ihr Leben bedrohen könnte.

Eine Reihe interventioneller Maßnahmen musste umgehend eingeleitet werden.

Sean veranlasste ohne Zögern alles Nötige, ließ Keira in das beste Zimmer verlegen und zog medizinische Spitzenexperten hinzu.

Er wich nicht von ihrer Seite, beschrieb ihr geduldig die Umgebung, erzählte ihr vom Wetter draußen vor dem Fenster und half ihr beim Trinken und Essen.

Doch Keiras seelischer Zustand verschlechterte sich von Tag zu Tag zusehends.

Sie verlor auch den letzten Funken Hoffnung für die Zukunft und verstummte wie eine seelenlose Puppe.

Sie war dankbar für Seans Wärme und seinen Schutz.

Doch sie hatte das Gefühl, nichts Gutes zu verdienen, und glaubte, sie sei nur eine Last.

Gerade als sie in völlige Verzweiflung versank und sogar begann, die Nahrungsaufnahme zu verweigern, brachte eine routinemäßige Ganzkörperuntersuchung eine schockierende Nachricht.

„Ms. Lynn, Sie sind schwanger. Dem Entwicklungsstand nach zu urteilen, in etwa der vierten Woche.“

Diese Nachricht schlug in ihrer dunklen Welt ein wie ein Donnerschlag.

Es stammte aus jener Nacht in Aidens Villa, als er sie zum Sex gezwungen hatte und sie nicht verhütet hatten.

Von einem Moment auf den anderen herrschte in ihr ein absolutes Gefühlschaos.

Schock. Verwirrung. Angst.

Und ein zartes, kaum merkliches Flattern, das ihre chaotischen Gedanken durchbrach.

Was sollte sie tun?

Währenddessen im Hauptsitz der Coleman Group, im Büro des CEO.

Aiden lockerte gereizt seine Krawatte.

Immer wieder sah er vor seinem inneren Auge das jämmerliche Bild, wie Keira sich im Club übergeben hatte, und wie Sean sie anschließend davontrug.

Er stand auf und ging im Büro auf und ab.

Plötzlich fiel ihm ein, dass sie ihm bei der Scheidung das Saphirarmband, das seine Großmutter ihr geschenkt hatte, nicht zurückgegeben hatte.

Er suchte Keiras Nummer heraus und rief an – einmal, zweimal, doch niemand nahm ab.

Eine namenlose Gereiztheit und Wut stiegen erneut in ihm auf.

Sie ging nicht ran? War sie etwa bei Sean und zu beschäftigt, um abzunehmen?

Hatte sie es so eilig, sich Sean an den Hals zu werfen?

Er schnaubte kalt, schnappte sich seine Autoschlüssel und beschloss, selbst zum Anwesen der Lynns zu fahren, um eine Erklärung zu verlangen.

Im Anwesen der Lynns war nur Zoey zu Hause.

Sie empfing Aiden herzlich, doch als sie den Grund für seinen Besuch erfuhr, trat ein seltsamer Ausdruck auf ihr Gesicht.

„Aiden, sei nicht böse. Keira hat es bestimmt einfach nur vergessen. Du weißt doch, wie sie ist. Gerade erst geschieden und schon so vertraut mit Sean – da hat sie wahrscheinlich gar keine Zeit, an solche Dinge zu denken.“

Während sie sprach, leuchtete Zoeys Handydisplay auf.

Sie nahm es beiläufig in die Hand und öffnete ein Foto, das ihr eine Freundin geschickt hatte. Dann schlug sie sich überrascht die Hand vor den Mund. „Aiden!“

Aiden riss ihr das Handy aus der Hand.

Auf dem Bildschirm war ein Foto zu sehen, auf dem Sean Keira behutsam von der Notaufnahme auf die Bettenstation trug.

Keira hatte ihr Gesicht an seiner Brust verborgen, und sie wirkten unglaublich vertraut und innig.

Aidens Blick wurde augenblicklich eiskalt, seine Miene so finster, als könne sie töten.

Eine Krankheit vortäuschen. Sie musste ihre Krankheit einfach vortäuschen!

Nur um Seans Mitleid und Fürsorge zu erschleichen!

Währenddessen im Krankenhaus legte Keira sanft die Hand auf ihren noch flachen Bauch.

Sie spürte dem völlig unerwarteten kleinen Leben nach, das dort heranwuchs.

Inmitten der grenzenlosen Dunkelheit und Verzweiflung hinterließ dieses plötzliche neue Leben in ihr ein Gefühl von Verwirrung und Unsicherheit.

Plötzlich klingelte ihr Handy.

Der schrille Klingelton wirkte in dem stillen Krankenzimmer besonders durchdringend.

Vorheriges Kapitel
Nächstes Kapitel