Mein milliardenschwerer Ex-Mann fleht mich an

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Kapitel 10 Michael war es nicht wert

Olivia fühlte sich ohnehin schon unwohl, doch bei der Szene, die sich vor ihr abspielte, wich ihr jegliche Farbe aus dem Gesicht.

Sie hatte schon immer gewusst, dass Michael sie nicht liebte, aber sie waren noch nicht einmal geschieden. Zu sehen, wie er so ungeniert direkt vor ihren Augen eine andere Frau in den Armen hielt, war einfach zu viel.

Die Gäste im Séparée hatten sie nicht bemerkt, Michael hingegen schon. Seine Miene zuckte für den Bruchteil einer Sekunde, bevor er seine Fassung wiedererlangte. Er machte keine Anstalten, Sophia von sich zu schieben, sondern fragte stattdessen besorgt: „Wie fühlst du dich? Kannst du stehen?“

Sophia, die ihre Trunkenheit nur vortäuschte, schwankte und fiel ihm direkt in die Arme. „Ich glaube schon …“, murmelte sie.

Michael wurde nicht wütend. Mit einem resignierten Seufzer hielt er sie einfach an den Schultern fest. „Du bist betrunken. Ich bringe dich nach Hause.“ Er sammelte ihre Sachen zusammen und verkündete in die Runde: „Lassen wir es für heute gut sein.“

Als sie an der Tür an Olivia vorbeigingen, blieb Sophia plötzlich stehen. „Michael“, sagte sie leise mit geheuchelter Fürsorge, „vielleicht solltest du Olivia nach Hause bringen. Sie hat heute Abend auch getrunken.“

Michael warf Olivia einen flüchtigen Blick zu, seine Stimme klang gleichgültig. „Nicht nötig. Sie hatte nur einen Drink, ihr wird nichts passieren. Sie kommt alleine nach Hause. Aber wenn dir etwas zustoßen sollte, wüsste ich nicht, wie ich das deinen Eltern erklären soll.“

Mit diesen Worten führte er Sophia davon. In diesem Moment blickte Sophia aus Michaels Armen auf, ein selbstgefälliges, triumphierendes Lächeln auf den Lippen. Sie wirkte überhaupt nicht betrunken.

Olivia ballte die Hände zu Fäusten, rührte sich jedoch nicht vom Fleck. Was hätte es auch gebracht? Er hatte ihr bereits mehr als deutlich gemacht, wie unbedeutend sie für ihn war. Sie erinnerte sich an ein Firmen-Event, bei dem sie zu viel getrunken und ihn angerufen hatte, damit er sie abholte. Er hatte ihr einen Fahrer geschickt mit der Ausrede, er sei beruflich eingespannt. Ihre Sicherheit war ihm nie so wichtig gewesen wie seine Arbeit.

Die Feier ging weiter, doch Olivia lehnte die Einladung ab, noch mit zur nächsten Location zu gehen. Sie war nicht in der Stimmung dazu.

Draußen hatte heftiger Regen eingesetzt. Sie war nicht selbst gefahren, da sie damit gerechnet hatte, etwas zu trinken, und nun zeigten die Fahrdienst-Apps über hundert Personen in der Warteschlange vor ihr an. Während sie frierend unter der Markise des Restaurants stand, durchzuckte ein stechender Schmerz ihren Magen. Sie hatte sich kurz vor dem Gehen auf der Toilette übergeben und fühlte sich elend.

In diesem Moment fuhr ein wohlbekannter Rolls-Royce vorbei. Die Reifen spritzten schmutziges Wasser auf ihr Kleid. Durch die regennasse Scheibe erkannte sie die elegante Silhouette ihres Mannes und Sophia, die sich vertraut an seine Schulter lehnte.

Ein Schluchzen entwich ihr. Mit zitternden Fingern nestelte sie nach ihrem Handy und suchte nach der einzigen Nummer, die sie in diesem Moment anzurufen wagte.

„Evelyn“, brachte sie mühsam hervor, „kannst du … mich abholen?“

„Olivia, was ist passiert? Wo bist du? Ich bin sofort da!“ Evelyns Stimme klang schrill vor Sorge.

Zehn Minuten später kam ein roter Sportwagen mit quietschenden Reifen zum Stehen. Evelyn sprang aus dem Wagen und fand Olivia zusammengekauert an einer Säule. Mit ihren geröteten Augen sah sie zerbrechlich und völlig am Ende aus.

„Olivia, bist du in Ordnung?“ rief Evelyn und ergriff ihre eiskalten Hände. „Deine Kleidung ist ja völlig durchnässt! Wer hat dir das angetan? Sag es mir, und ich knöpfe mir denjenigen vor!“

Olivia schüttelte nur den Kopf und lehnte sich schutzsuchend an ihre Freundin.

„Ist ja gut“, sagte Evelyn sanft und strich ihr über den Rücken. „Was auch immer passiert ist, du hast mich. Lass uns nach Hause fahren. Sonst erkältest du dich noch.“

In Evelyns Wohnung angekommen, schob sie Olivia sanft in Richtung Badezimmer. „Nimm erst mal eine heiße Dusche. Da drinnen hängen saubere Bademäntel. Ich suche dir derweil etwas zum Anziehen heraus.“

Als Olivia wieder herauskam, drückte Evelyn ihr eine Schale mit heißer, süßer Suppe in die Hand. Die Wärme und die Süße linderten ein wenig die Bitterkeit in ihrem Herzen.

Evelyn wartete geduldig, bis sie aufgegessen hatte, und fragte schließlich: „Erzählst du mir, was passiert ist?“

Eigentlich hatte Olivia nicht darüber sprechen wollen, doch sie wusste, dass Evelyn sich sonst nur Sorgen machen würde. Sie fasste die Ereignisse des Abends kurz zusammen. Sie musste gar nicht groß ins Detail gehen; Evelyn war klug genug, um sich den Rest selbst zusammenzureimen.

„Was fällt dem eigentlich ein?“ platzte Evelyn heraus und schlug mit der flachen Hand auf den Tisch. „Hat er etwa vergessen, wer ihn gepflegt hat, als er nicht laufen konnte? Ohne dich wäre er immer noch ein Krüppel! Und jetzt stellt er seine Ex so schamlos zur Schau, obwohl ihr noch verheiratet seid? Ich dachte immer, er wäre einfach nur unterkühlt, aber er ist nichts weiter als Abschaum!“

Nach diesem Wutausbruch ließ sie sich wieder sinken und nahm Olivia fest in den Arm. „Ach, Olivia, warum hast du mir nicht schon früher gesagt, wie sehr du leidest?“

Evelyns Wärme ließ Olivias eigenes, erstarrtes Herz ein wenig auftauen. Sie schüttelte den Kopf. „Es ist nicht der Rede wert“, sagte sie leise mit belegter Stimme. „Ich habe bereits in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Johnson Group gekündigt. Jetzt kann ich mich ganz auf meine eigene Karriere konzentrieren.“

Sie sah ihre Freundin an, und in ihren Augen lag eine neue, hart erkämpfte Entschlossenheit. „Evelyn, ich werde mich von Michael scheiden lassen. Du hattest die ganze Zeit über recht. Es hat sich nie gelohnt, meine Karriere für einen Mann aufzugeben. Mir ist endlich klargeworden, wie sehr ich mich geirrt habe.“

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