Kalte Ehefrau, verborgenes Baby

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Kapitel 8 Betreten ihres Schlafzimmers

Nachdem das Krankenhaus bestätigt hatte, dass das Baby in Sicherheit war und die Wunden an ihrem Hals nur oberflächlich waren, brachte man Jenna zurück in Beckys Wohnung.

Tief in der Nacht fand der Schlaf sie trotzdem nicht.

Sie lag da und scrollte ziellos durch ihr Handy.

Plötzlich ploppte oben auf dem Bildschirm eine Benachrichtigung auf.

Fast wie zwanghaft tippte sie darauf.

Das Profilbild war Jennifers.

Der neueste Beitrag war vor einer Stunde hochgeladen worden.

Keine Bildunterschrift. Nur ein einziges Foto.

Es zeigte nachts ein Schlafzimmerfenster. Auf der Fensterbank stand ein halbvolles Glas Rotwein. Daneben, kaum noch im Bild, eine Männerhand – und an seinem Handgelenk eine unverkennbar teure Uhr.

Edwards Uhr.

Er war in Jennifers privatem Zuhause. In ihrem Schlafzimmer, dem Anschein nach.

Der Beitrag hatte bereits Dutzende Likes von gemeinsamen Bekannten. In den Kommentaren wimmelte es von kokettem Necken und Glückwünschen.

[Sieht so aus, als hättet ihr zwei eine lustige Nacht vor euch!]

[Endlich! Darauf haben wir gewartet!]

[Glückwunsch! Wahre Liebe siegt am Ende!]

Mitten in all dem Jubel schien sich kein einziger Mensch daran zu erinnern, dass sie, Jenna, Edwards Ehefrau war.

Mit zitternden Händen drückte Jenna auf „Teilen“ und tippte, einen schmerzhaften Buchstaben nach dem anderen, einen Kommentar:

[Edward, ich wünsche dir und deiner geliebten Jenny heute Nacht süße Träume. @Edward]

Sie drückte auf Senden.

In dem Moment, als es gepostet war, kamen die Tränen endlich – heiß, unkontrollierbar, überwältigend.

Es war, als würde ihr Brustkorb nach innen stürzen. Sie bekam keine Luft. Sie konnte es nicht länger leugnen. Sie konnte sich nicht einmal selbst belügen.

Doch durch ihren verschwommenen Blick tauchte ungebeten ein Bild auf: Samanthas warmes, lächelndes Gesicht.

Samantha war jetzt so zerbrechlich. Sie würde keinen weiteren Stress verkraften.

In Panik tastete Jenna nach ihrem Handy und löschte den Beitrag hastig wieder.


Am nächsten Morgen wurde Edward von einem unerbittlichen Hagel an Anrufen aus dem Schlaf gerissen.

Er hatte Jennifer letzte Nacht in die Notaufnahme gebracht, um ihre Verletzungen behandeln zu lassen, und sie anschließend nach Hause begleitet, um sicherzugehen, dass sie versorgt war. Danach war er schlecht gelaunt aufs Anwesen zurückgekehrt und hatte kaum geschlafen.

Er war gerade erst weggedämmert, als die Benachrichtigungen hereinströmten.

Die Stimme seines Assistenten kam durch die Leitung, panisch und dringlich.

„Mr. Russell, wir haben ein Problem! Miss Garcia hat ein Foto gepostet, und dann hat Mrs. Russell es geteilt. Sie hat es schnell gelöscht, aber die Leute haben schon Screenshots gemacht. Jetzt sagen alle, ihr lasst euch scheiden – und dass es wegen Miss Garcia ist. Die Gerüchte fangen an, die Firma zu beeinträchtigen!“

Edward richtete sich ruckartig auf, schlagartig hellwach.

„Jenna!“

Wie konnte sie es wagen, ihre privaten Angelegenheiten öffentlich auszubreiten?

Er wählte sofort ihre Nummer. Es klingelte und klingelte. Keine Antwort.

Er rief weiter an. Immer wieder.

Schließlich nahm jemand ab – doch es war Beckys Stimme, scharf vor Gereiztheit.

„Edward, hörst du irgendwann mal auf? Jenna schläft noch! Du und diese Ehebrecherin könnt machen, was zur Hölle ihr wollt, aber lasst sie in Ruhe!“

„Gib mir Jenna ans Telefon!“, bellte Edward. „Sie hat dieses Chaos angerichtet. Sie muss sich öffentlich entschuldigen – sofort. Sonst –“

„Sonst was?“ Beckys Lachen war kalt. Sie hatte die trendenden Hashtags an diesem Morgen offenbar auch gesehen.

„Mr. Russell, wen genau bedrohen Sie hier eigentlich? Was hat Jenna getan? Sie hat einen Beitrag geteilt – einen Beitrag, den Ihre Geliebte hochgeladen hat, um sie zu provozieren. Ihr zwei habt das getan. Ihr verdient es, dafür durch den Dreck gezogen zu werden. Wagen Sie es ja nicht, das jetzt auf sie abzuwälzen. Widerling.“

Sie legte auf. Dann blockierte sie seine Nummer.

Edward warf sein Handy beinahe quer durchs Zimmer.

Eine Sekunde später klingelte es wieder. Der Butler vom Anwesen.

„Mr. Russell! Es ist Mrs. Samantha Russell – sie ist zusammengebrochen! Wir haben einen Krankenwagen gerufen. Wir sind jetzt auf dem Weg ins Krankenhaus. Bitte kommen Sie schnell!“

„Ich bin unterwegs.“

Er riss sich den Mantel vom Haken und stürmte los.


Als Edward im Krankenhaus ankam, erklärte der Butler unter Tränen, Samantha sei zusammengebrochen, nachdem sie die Nachrichten online gesehen hatte.

Edward rammte die Faust gegen die Wand, die Wut kochte in ihm hoch.

Jenna hatte seine Mutter als Kollateralschaden in ihrer kleinlichen Eifersucht benutzt.

Seine Mutter war immer nur freundlich zu ihr gewesen. Und so zahlte sie es ihr zurück? Mit kaltblütiger Manipulation?

Hinter ihm hallten hastige Schritte den Flur entlang.

Edward drehte sich um. Jenna und Becky kamen auf ihn zugestürzt.

„Wie … wie geht es ihr?“, zitterte Jennas Stimme.

„Mrs. Russell ist noch in der Notaufnahme. Sie—“

„Du hast ja wohl Nerven, hier aufzutauchen.“

Edward schnitt dem Butler das Wort ab, wirbelte herum und stellte sich ihr. Seine Augen waren blutunterlaufen.

„Jenna, bist du jetzt zufrieden? Wenn meiner Mutter irgendetwas passiert, schwöre ich bei Gott, ich werde dir niemals verzeihen.“

„Ich … ich wollte nicht, dass das passiert …“ Jennas Tränen liefen über. „Ich dachte nicht, dass sie es sieht. Ich habe es sofort gelöscht.“

Ausgerechnet das eine, was sie unbedingt hatte verhindern wollen, war trotzdem passiert. Wenn sich Samanthas Zustand deswegen verschlimmerte, würde Jenna sich das nie verzeihen.

„Löschen ist doch völlig egal! Screenshots sind überall!“ Edward trat näher, seine Stimme wurde lauter.

„Du benutzt meine Mutter die ganze Zeit, um mich zu manipulieren. Schön. Du spielst diese kleinen Eifersuchtsspielchen. Schön. Aber jetzt hast du etwas gepostet, das sie umbringen könnte. Jenna, was zum Teufel stimmt nicht mit dir? Wie kannst du so bösartig sein?“

„Ich habe nicht … ich nur …“

Jennas Tränen wollten nicht aufhören.

Sie konnte den Gedanken nicht ertragen, was mit Samantha passieren könnte – in ihrem Zustand –, wenn dieser Post den Zusammenbruch tatsächlich ausgelöst hatte.

Becky hatte genug. Sie trat vor und stellte sich zwischen die beiden.

„Edward, jetzt reicht’s. Siehst du nicht, dass Jenna sich auch Sorgen macht? Und Jennifer hat dieses Foto zuerst gepostet. Warum darf Jenna als Einzige nicht reagieren?“

„Jenny hat nur einen Moment aus ihrem Tag geteilt. Ihr wart es, die daraus einen Zirkus gemacht haben“, sagte Edward kalt. „Hat irgendeine von euch mal an die Konsequenzen gedacht?“

Jennas Lippen zitterten heftig. Tausend Worte steckten ihr im Hals, doch keines kam heraus.

Sie konnte nur an Samantha denken. Sie hatte keine Kraft mehr, mit ihm zu kämpfen.

„Edward! Wie geht es Mrs. Russell?“

Eine atemlose Stimme rief den Flur herunter.

Jennifer.

Sie eilte direkt zu Edward, griff nach seinem Handgelenk, das Gesicht voller Sorge.

„Ich bin sofort gekommen, als ich es gehört habe! Es wird alles gut, oder?“

Dann wandte sie sich umgehend Jenna zu, und ihr Tonfall wechselte zu gerechter Empörung.

„Jenna, diesmal bist du wirklich zu weit gegangen. Wenn du ein Problem mit mir hast, gut – damit kann ich umgehen. Aber wie konntest du Samanthas Gesundheit als Waffe benutzen?“

Jennas Körper erstarrte. Langsam drehte sie den Kopf.

Jennifer stand da, makellos gekleidet, an Edwards Arm klammernd. Ihre Augen funkelten vor selbstgefälliger Provokation, während sie ihre scheinheilige Standpauke hielt.

In Jenna riss schließlich etwas.

„Du hast die Frechheit, hier aufzutauchen?“ Jenna stürzte vor und packte Jennifer am Arm.

„Du hast mich absichtlich provoziert. Und jetzt spielst du die Heilige? Was gibt dir das Recht, mir eine Predigt zu halten?“

„Jenna! Jetzt reicht’s!“ Edward riss Jennifer hinter sich und stieß Jennas Hand weg – hart.

Jenna schrie auf. Ihre Seite prallte gegen die kalte Metallarmlehne einer Flurbank.

Ihre Beine gaben nach. Sie sackte zu Boden.

In dem Moment, als sie aufschlug, spürte sie es – eine warme, sich ausbreitende Nässe zwischen ihren Beinen.

Edward hatte nach ihr gegriffen, in dem Augenblick, als sie zu fallen begann, doch er war zu spät gewesen.

Im nächsten Moment sah er es.

Ihre hellen Hosen färbten sich rasch dunkelrot.

Blut.

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