Ein Glücksfall von Zehn Billionen

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Kapitel 6

James hob die Hand und gab Charles damit das Zeichen, sich keine Sorgen zu machen.

Alle standen wie erstarrt – den Sicherheitsleuten klappte der Mund auf, Tränen liefen der Empfangsdame noch immer über das Gesicht, und jene Angestellten, die eben noch gehöhnt hatten, verstummten plötzlich.

Vorsitzender? Dieser junge Mann in schäbiger Kleidung war tatsächlich der Vorsitzende der Golden Peak Group?

Sharon spürte, wie ihr ein eisiger Schauer vom Rückenmark bis hinauf zum Scheitel schoss, ihre Pupillen zogen sich heftig zusammen.

Sie starrte erst auf Charles’ respektvoll geneigte Gestalt, dann auf James’ ruhiges Gesicht.

Ihre Beine wurden weich, ihr ganzer Körper schwankte unsicher.

„Mr. Wilson“, Sharons Stimme bebte schlimm, „was soll das hier?“ Sie zeigte auf James, der Finger zitterte unkontrollierbar. „Er – wie kann er nur –“

Sie brachte es nicht zu Ende. Denn plötzlich begriff sie, was sie eben getan hatte.

Sie hatte diesem Mann befohlen zu knien, den Dreck unter ihren Schuhsohlen sauber zu lecken.

Und nun war dieser Mann tatsächlich ihr Vorgesetzter, der Vorsitzende der gesamten Golden Peak Group.

Charles drehte sich um und sah Sharon an – ein Blick, so kalt, dass es einem den Rücken hinunterlief. „Das ist der neue Vorsitzende unserer Golden Peak Group, Mr. James Smith.“ Seine Stimme war nicht laut, doch jedes Wort schlug Sharon ins Herz wie ein Stahlnagel. „Und jetzt entschuldigen Sie sich sofort bei ihm!“

Die letzten drei Worte waren beinahe gebrüllt, und Sharon zitterte am ganzen Leib.

In Sharons Kopf raste es.

Sie wusste, sie war erledigt. Vollkommen erledigt.

Wenn sie diese Situation nicht irgendwie retten konnte, würde sie nicht nur diesen Job verlieren, mit einem Jahresgehalt von über einer Million Dollar, sondern womöglich in der gesamten Branche auf einer schwarzen Liste landen.

Sie holte tief Luft und zwang sich, auf James zuzugehen.

„Mr. Smith“, in Sharons Stimme lag ein deutliches Schluchzen, „ich hatte eben Unrecht. Ich habe Ihre Größe nicht erkannt und Sie beleidigt. Bitte verzeihen Sie mir.“

Nachdem sie das gesagt hatte, verbeugte sie sich tief, so tief, dass ihr Kopf fast ihre Brust berührte.

Dabei stieß sie absichtlich die Brust vor und ließ ihren Ausschnitt weiter aufklaffen.

James erstarrte.

Sein Blick fiel unwillkürlich auf Sharons entblößten Ausschnitt; er sah die beiden weichen Rundungen, die sich mit ihrem Atem sacht hoben und senkten.

Tief unten in seinem Bauch wogte plötzlich ein urtümlicher Impuls auf, sein Mund wurde trocken.

James spürte, wie sein Herz schneller schlug, und für einen Moment stellte er sich sogar vor, wie es wäre, diese Frau gegen einen Schreibtisch zu drücken.

Doch die Vernunft gewann rasch die Oberhand. James zwang sich wegzusehen und wandte sich zu Charles.

Charles trat vor. „James, wie willst du mit dieser Person verfahren?“

Als sie das hörte, riss Sharon den Kopf hoch, Angst stand in ihren Augen, und sie trat hastig näher, so nah, dass sie James fast an den Körper drängte.

„James, bitte verzeih mir. Solange du mich nicht feuerst, bin ich bereit, alles zu tun.“ Sie sprach mit einer Stimme, so weich, dass sie tropfen konnte. „Alles.“ Sie betonte das letzte Wort ganz bewusst.

Sharon wusste nur zu gut, dass sie volle fünf Jahre gebraucht hatte, um sich von einer gewöhnlichen Angestellten zur Abteilungsleiterin hochzuarbeiten.

Sie hatte mit Kunden getrunken, bis sie eine Magenblutung entwickelte, hatte Überstunden gemacht, bis um drei Uhr morgens Konzepte geschrieben – alles für diesen Job mit einem Jahresgehalt von über einer Million Dollar.

Wenn sie all das verlor, wusste sie nicht, wohin sie sonst gehen sollte.

James sah die Frau vor sich an, und in seinem Mundwinkel erschien ein spielerisches Lächeln. „Alles? Wirklich?“

Sharon setzte sofort ein verführerisches Lächeln auf. „Ja – solange Sie mich nicht feuern, mache ich alles, was Sie verlangen.“

Sie leckte sich über die Lippen, ihre rosige Zunge glitt langsam darüber.

Ihre Augen waren voller herausfordernden Reizes; dieser Blick schien zu sagen: Ich weiß, was du willst, und ich kann es dir geben.

Sie beugte sich ein wenig vor, ihr warmer Atem streifte James’ Gesicht und trug einen schwachen Hauch von Parfüm mit sich.

James spürte, wie eine weitere Welle Hitze in seinen Unterleib schoss. Als er Sharons makelloses Gesicht betrachtete, kam ihm das alles plötzlich lächerlich vor.

Vor gerade einmal zehn Minuten hatte diese Frau ihn mit den bösartigsten Worten gedemütigt und verlangt, er solle knien.

Und jetzt war sie wie ein schwanzwedelnder Hund, der um Gnade bettelte.

„Gut“, sagte James langsam. „Wenn du bereit bist, alles zu tun, dann arbeitest du ab morgen als Putzkraft der Firma.“

Sharon erstarrte. Putzkraft? Er wollte, dass sie putzte?

Sie – Abteilungsleiterin, hochrangige Angestellte im weißen Kragen mit einem Jahresgehalt von über einer Million Dollar – sollte putzen?

Ihr wurde schwindlig, die Farbe wich ihr augenblicklich aus dem Gesicht.

Demütigung, das war nackte Demütigung!

Charles trat mit unbewegter Miene an Sharon heran. „Haben Sie gehört, was Mr. James gerade gesagt hat?“

Sharon nickte mechanisch. „Ja, ich habe es gehört.“

Ihre Gedanken rasten, auf der Suche nach einem winzigen Hoffnungsschimmer in dieser entsetzlichen Lage.

Putzkraft zu sein war besser, als aus der Firma geworfen zu werden. Wenigstens konnte sie bei der Golden Peak Group bleiben, wenigstens hatte sie noch eine Chance.

Sie erinnerte sich an das Aufflackern von Begierde in James’ Augen, als er ihren Körper angesehen hatte. Dieser Blick gab ihr einen Funken Hoffnung – auch wenn dieser Mann sie bestraft hatte, hatte er ihr den Weg nicht völlig versperrt.

Solange sie in der Firma blieb, solange sie ihm noch nahe kommen konnte, hatte sie eine Chance, alles zu drehen.

Sie würde James ihren Wert erkennen lassen, würde dafür sorgen, dass James nicht mehr ohne sie leben konnte – und ihn schließlich dazu bringen, sie zu heiraten.

Dann wäre sie die Frau des Vorstandsvorsitzenden, die wahre Herrin der Golden Peak Group.

Was machte es da schon, wenn sie jetzt ein wenig litt und ein bisschen Putzarbeit erledigte?

Sharon hob den Kopf. Im Stillen schwor sie sich: Eines Tages würde sie diesen Mann vor sich knien lassen.

Doch bis dieser Tag kam, war sie bereit, jede Demütigung zu ertragen.

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