Kapitel 8
Victors wütendes Brüllen hallte durch die Halle.
Seine Worte trafen Isabella mit voller Wucht, wie ein Faustschlag in den Magen, und rissen ihr den letzten Rest Kraft aus dem Körper. Ihre Knie gaben nach, und sie sank zu Boden, unfähig, sich noch aufrecht zu halten.
Ihre Nägel gruben sich in die Handflächen, als sie die Fäuste ballte; die scharfen Kanten bohrten sich in die Haut, doch der Schmerz drang kaum zu ihr durch.
All die Jahre hatte sie sich bis zur Erschöpfung abgerackert, jede Fertigkeit perfektioniert, die eine anständige Dame aus gutem Hause beherrschen musste, nur um den Schatten ihrer Vergangenheit abzuschütteln. Sie war nicht länger irgendein mittelloses Mädchen, auf das man herabsah – sie war Isabella, die gefeierte Tochter der Kaisers!
Zitternd holte sie Luft und zwang sich, zu Victor aufzusehen. „Du hast gesagt, es würde dich nicht stören, dass ich mich um Alexander kümmere. Du hast versprochen, dich den Rest unseres Lebens um mich zu kümmern. Deshalb habe ich zugestimmt, dich zu heiraten.“
„Und jetzt wirfst du mich einfach so weg? Es ist alles meine Schuld … Ich habe Alexander zu sehr geliebt …“
Sie schlug sich die Hände vors Gesicht und begann leise zu schluchzen, ihr schmaler Körper bebte.
Ein paar Sekunden später wandte sie sich Mrs. Prescott zu. Tränen hingen an ihren Wimpern, und sie sah erbärmlich aus.
Mrs. Prescott galt als sanftmütig – vielleicht würde sie Mitleid haben und sie Alexander nachjagen lassen.
Doch statt dessen stieß Mrs. Prescott nur ein kaltes Lachen aus und musterte sie mit unverhohlener Verachtung. „Wow, du bist ja wirklich ein ganz besonderes Kaliber. Eben noch hast du allen erzählt, wie sehr du Victor liebst, und plötzlich ist Alexander deine wahre Liebe? Was für ein manipulatives kleines Theaterstück.“
„Schamlos. Aber keine Sorge – du heiratest weder in die Familie Lane ein noch ganz bestimmt in unsere.“
„Mrs. Prescott, Sie verstehen das falsch! Ich habe nur gesagt, dass ich Victor liebe, um mein Gesicht zu wahren. Mein Herz hat immer Alexander gehört!“ Isabella schrie es heraus, das Schluchzen riss ihr die Worte aus der Kehle. Ihre Stimme war verzweifelt.
Doch dieses Mal glaubte ihr niemand.
Die Geduld aller war am Ende – jetzt füllte nur noch Genervtheit den Raum.
„Hey, jeder weiß doch, dass die Prescotts Capitol City in der Hand haben. Alexander ist ein Genie im Geschäftsleben und der künftige Kopf ihres Imperiums. Selbst eine echte Kaiser-Erbin wäre vielleicht nicht gut genug – geschweige denn eine Betrügerin wie sie.“
„Igitt, so verlogen. Und ich habe sie vorhin sogar noch gelobt. Widerlich.“
Hohn und klatschende Flüstereien kamen von allen Seiten, jedes Wort wie eiskaltes Wasser, das man Isabella über den Kopf goss. Kalter Schweiß durchnässte ihr den Rücken.
Elizabeth trat zu ihr, beugte sich ein wenig hinab und klopfte ihr sanft auf die Schulter, während sie ihr ins Ohr flüsterte: „Charlotte, erinnerst du dich daran, was du mir vor zehn Jahren gesagt hast?“
„Also, ich erinnere dich gern daran. Was mir gehört, wird immer mir gehören. Und du? Du bist es nicht wert.“
Mit einem spöttischen Lächeln ließ sie unauffällig ihr Handy vor ihr aufblitzen. In ihren Augen lag ein ironisches Funkeln.
„Du!“ Isabellas Augen weiteten sich, dann verzogen sie sich zu einem wütenden Blick. „Du hast mich aufgenommen?“
„Das alles … nur um dich an mir zu rächen? Du bist wirklich so tief gesunken?“
Elizabeth kicherte. „Schätzchen, schmeichel dir nicht. Du bist die Mühe nicht wert.“
Sie blieb nicht stehen, um eine Antwort abzuwarten. Mit erhobenem Kopf drehte sie sich um und ging.
Ihr Ruf lag in Trümmern; in den Kreisen der Elite von Capitol war Isabella erledigt – und Elizabeth hatte sich gerade einen persönlichen Sieg abgehakt, den sie schon seit einer Weile geplant hatte.
Jetzt konnte sie nur noch daran denken, nach Hause zu fahren, um Gabriel Kaiser und Großmutter zu sehen. Nach all den Jahren hoffte sie einfach, dass es ihnen gut ging.
…
Währenddessen, in der Zentrale der Prescott Group.
Mitten im Finanzdistrikt von Capitol City gehörte der Familie Prescott das Filetstück an Grund und Boden.
Im Büro des CEO stürmte Oliver Watts herein.
„Mr. Prescott, ich habe endlich etwas über diese Frau, zu der Sie wollten, dass ich Nachforschungen anstelle.“
Alexander, der gerade eine Akte durchgeblättert hatte, hob sofort den Blick.
„Raus damit.“ Kurz, hart.
Als Prescott an Informationen zu kommen, war normalerweise ein Kinderspiel – doch dieses Mal war selbst nach Tagen des Hinterherjagens nicht einmal ihr Name aufzutreiben gewesen.
Das machte ihn nur mehr denn je neugierig.
