Die verstoßene Erbin schlägt zurück

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Kapitel 5

Isabella erstarrte, ein wenig benommen, und direkt unter ihr verhärtete sich auch Sophias Miene.

Sie warfen Elizabeth einen Blick zu, beide misstrauisch, angespannt bis in die Fingerspitzen. „Wer zum Teufel bist du?“

Elizabeth schenkte ihnen ein sanftes, beinahe höfliches Lächeln. „Habe ich es nicht gerade laut und deutlich gesagt? Victor ist mein Verlobter. Also bin ich natürlich Elizabeth, seine Verlobte.“

Ihr Ton kippte, die Augen verengten sich ein wenig. „Oder … wisst ihr etwa nicht einmal, wer seine Verlobte sein soll?“

Diese Frage hing kaum eine Sekunde in der Luft, da begann die Menge schon zu raunen wie ein kochender Topf.

„Moment, ist sie nicht Mr. Kaisers Tochter aus seiner ersten Ehe?“

„Oh mein Gott, also ist sie es wirklich? Kein Wunder! Sie ist die, die mit dem jungen Herrn Victor verlobt ist!“

„Haben die Kaisers und die Lanes nicht vor etwa zwanzig Jahren eine arrangierte Ehe vereinbart? Ich habe gehört, die alten Patriarchen sind schon gestorben, und die Ex-Frau hat betrogen und mit irgendeinem ein Kind bekommen … und dann ist sie verschwunden.“

Das Flüstern wurde lauter, chaotischer, doch Lucas’ Gesicht war jetzt nichts als ein Gewitter.

Der Kiefer fest zusammengepresst, brüllte er wütend zu ihr hinauf: „Du bist es?! Komm da sofort runter!“

Selbst nach all den Jahren hatte er für sie nur Bitterkeit übrig. Es war nicht der Blick, den man seiner eigenen Tochter zuwarf – eher, als wäre sie seine größte Schande.

Sophia und Isabella waren kreidebleich und verkrampften die Hände ineinander. Sie hatten geglaubt, Elizabeth sei längst verschwunden, aus ihrem Leben. Doch hier stand sie – so kühn wie eh und je.

Elizabeths Blick glitt träge zu Lucas. „Du glaubst, du kannst mir Befehle erteilen? Ich würde an deiner Stelle den Mund halten“, sagte sie leise, doch ihre Worte schnitten scharf. „Wenn du mich weiter reizt, bleibt es beim nächsten Mal nicht bei einer einfachen Ohrfeige.“

Jene regnerische Nacht vor zehn Jahren – ja, sie hatte den letzten Rest von Familienband ausgelöscht.

„Du—“ Lucas’ Finger zitterte, als er auf sie zeigte, das Gesicht vor Wut gerötet. „Glaub ja nicht, nur weil du groß geworden bist und jetzt Mumm hast, musst du mir nicht Rede und Antwort stehen. Du bist immer noch eine Kaiser, und das heißt, du bist unter meinem Dach. Ich zeige dir heute, wie sich eine echte Lektion anfühlt!“

Elizabeth lachte nur, unbeeindruckt. „Ja, viel Glück dabei.“ „Du glaubst, ich trage den Namen Kaiser deinetwegen? Bitte. Ich habe Großvaters Nachnamen angenommen. Du verdienst es nicht einmal, Kaiser genannt zu werden. Du bist eine Blamage für diese Familie, und du meinst immer noch, du könntest mir Predigten halten?“

„Du Gör, du bist ja völlig übergeschnappt!“, fauchte Lucas mit zusammengebissenen Zähnen. Er fuchtelte mit der Hand und schrie die zehn Leibwächter an, die in der Nähe standen: „Werft sie hier raus, sofort!“

Die Leibwächter, allesamt ausgebildete Kämpfer, sahen, dass Elizabeth offenbar unbewaffnet war, und nahmen sie nicht ernst. Auch wenn sie sich anschickten, sie einzukreisen, waren nur zwei mutig genug, den ersten Schritt zu wagen.

Aus dem Nichts stürmte Isabella vor und stellte sich schützend vor Elizabeth, die Arme weit ausgebreitet, und rief: „Dad, nicht! Bitte tu das nicht! Tu ihr nicht weh, es ist alles meine Schuld!“

Wirklich? Sie benutzte sie schon wieder, um den unschuldigen Engel zu spielen?

Elizabeth runzelte leicht die Stirn, sichtlich genervt. Sie warf ihrer Schwester einen frostigen Blick zu.

„Geh aus dem Weg.“

Ihre Stimme war schneidend, als sie Isabella beiseitetrat – wie eine Fliege, die man wegwischt.

Dann, in einer fließenden Bewegung, packte sie einen der Leibwächter am Arm, Handfläche und Unterarm drehten sich gleichzeitig. Im nächsten Augenblick schleuderte sie ihn über ihre Schulter.

Der massige Mann krachte schwer auf den Boden und stöhnte vor Schmerz.

Dieser eine Griff ließ die anderen wie angewurzelt stehen, mit weit aufgerissenen Augen und Händen, die unbewusst zurückzuckten. Sie tauschten unsichere Blicke, dann ballten sie die Fäuste, offensichtlich bereit, loszustürmen.

Elizabeth stieß ein kaltes Schnauben aus, die Lippen zu einem Lächeln gekrümmt, das ihre Augen nicht erreichte. Sobald jemand ihr zu nahe kam, trat sie zu – schnell und sauber – und schickte sie einen nach dem anderen zu Boden, noch bevor sie überhaupt die Hand heben konnten.

Es war demütigend. Keiner von ihnen hatte sie auch nur berührt, und doch waren sie es, die auf dem Boden lagen.

Ihr Stolz sank bis auf den Grund. Angetrieben von Scham und Unglauben rappelten sie sich auf, entschlossener denn je, und stürmten im Gleichklang auf sie los.

Keine dreißig Sekunden später hatte Elizabeth sie alle wieder am Boden, stöhnend und bewegungsunfähig.

Seelenruhig stand sie auf der Bühne, das Mikrofon in der Hand, und ließ ein müdes Gähnen hören. Ihr Lächeln blieb hell und schön, doch der spöttische Glanz in ihren Augen genügte, um den Leuten eine Gänsehaut über den Rücken zu jagen.

Ein Raunen ging durch die Menge – teils spöttisch, teils voller Ehrfurcht.

Ihr Blick wanderte zu Isabella, die nun zitterte, beide Hände bebten, ihr Gesicht war bis auf den letzten Rest Farbe leer.

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