Besessen vom Navy-SEAL

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Kapitel 1 Probleme

Wie viel länger werde ich das noch durchhalten?

Ich soll perfekt sein. Der Applaus ist ohrenbetäubend.

Noch einmal mache ich eine graziöse Verbeugung, ignoriere den hartnäckigen Schmerz in meinem Knöchel. Mein Lächeln wankt nicht, als ich auf Zehenspitzen von der Bühne gleite, in die Seitenkulissen, während mir „Gut gemacht“ und Klopfer auf den Rücken bis in meine Garderobe folgen.

Endlich kann ich die Fassade fallen lassen, als ich die Tür hinter mir schließe und auf den Stuhl vor dem Spiegel sinke; das Bild, das mich anstarrt, sieht perfekt aus, in Bühnen-Make-up und Bühnenschein.

Mein Knöchel pocht jetzt.

Scheiße.

Die perfekte Tochter.

Die perfekte Freundin.

Die perfekte Ballerina.

Die ehrliche Wahrheit ist, dass ich nichts davon bin, und die Last, so zu tun, als wäre ich es, droht mich zu verschlingen wie eine schwarze Wolke.

Ich ersticke.

Ich kann verdammt noch mal nicht atmen unter dem Gewicht von allem.

Ein Klopfen an der Tür reißt mich aus meinen Gedanken, und Simons perfekt gestylter Kopf steckt herein.

„Hey, Superstar.“ Sein Lächeln ist blendend weiß. „Wir gehen nachher noch was trinken, kommst du mit?“

Sieht er, dass das Lächeln, das ich ihm zurückgebe, absolut falsch ist? „Champagner geht auf mich.“

„Yes, Queen!“

Er zieht die Tür wieder zu, und ich greife schnell nach einem Tuch, um das schwere Make-up abzuwischen. Noch eine Nacht des Vortäuschens, mit Leuten, von denen ich ganz genau weiß, dass sie mich nicht mögen. Sie ertragen mich bloß, fragen, ob ich mitkommen will, weil sie glauben, sie könnten sich dadurch bei den Direktoren einschmeicheln.

Ich verdiene jede Hauptrolle, die ich bekomme. Ich habe mir den Arsch aufgerissen, ich arbeite härter als jeder, den ich kenne. In meiner Familie wird nichts außer Exzellenz akzeptiert.

Aber was kommt danach?

Was passiert, wenn mein Knöchel schließlich nachgibt? Dann bin ich irgendein abgehalftertes fünfundzwanzigjähriges Irgendwas. Alles, wofür ich mein ganzes Leben gearbeitet habe, wird in Glasscherben zusammenbrechen, und ich werde bloß die Tochter von Menschen sein, die großartig sind.

Dann bin ich nicht mehr irgendjemandes strahlendes Licht.

Ich kann das nicht zulassen.

Also ziehe ich meine Designerstiefel an, mein lächerlich kurzes, rotes Kleid, und sehe genau aus wie die Person, die alle in mir sehen wollen.

Begehrenswert, exquisit, umwerfend schön, erfolgreich. Ich lache über all die verdammt lahmen Witze, die meine Kollegen reißen. Ich spiele die Rolle des Mädchens mit der offenen Art und dem perlenden Lachen.

Ich bin eine Lügnerin.

Ich will ihnen die falschen Lächeln aus den Gesichtern pflücken und die Eifersucht in ihren Augen mit den Nägeln herauskratzen.

Falschheit ist das eine, was ich in der Ballettwelt abgrundtief hasse. Du weißt buchstäblich nicht, wer dein Freund ist und wer sich im Stillen wünscht, du würdest dir die Beine brechen, damit er deinen Platz einnehmen kann. Es ist, als hättest du ständig Geier im Nacken, die auf deinen Untergang warten.

Ich lache gerade mit den anderen über etwas, das Simon sagt, als mein Handy in meiner Tasche vibriert. Bens Name blitzt auf dem Display auf, und ich gehe absichtlich nicht ran. Schuld nagt an meinem Unterbewusstsein, aber ich drücke sie weg.

Meine Mutter sagt gern, wir müssten Männer ein bisschen schwitzen lassen, sie für uns arbeiten lassen. Außerdem hat er nicht auf meine Nachrichten geantwortet, als ich ihn fragte, ob er heute Abend kommt, um mir beim Tanzen zuzusehen. Es wäre schön gewesen zu wissen, dass mein Freund im Publikum sitzt – vor allem, weil ich ihm gesagt habe, dass ich Probleme mit dem Knöchel habe.

Seine Antwort war: „Du hast doch alles, Ballett brauchst du sowieso nicht.“

Welcher Freund sagt so etwas?

Ein verdammt beschissener – einer, mit dem ich seit meinem Junior Year an der Highschool zusammen bin.

Benedict abzuschneiden wäre nicht leicht. Er ist meine Sicherheitsdecke, eine völlig kaputte Sicherheitsdecke, weil ich Angst vor der großen, bösen Welt habe und ihn manchmal brauche, damit er meine Kämpfe für mich ausficht.

Benedict Cargill kennt mich. Er weiß, was mich antreibt. Wahrscheinlich werde ich ihn am Ende heiraten, vielleicht eher früher als später, und unsere Familien werden unauflöslich miteinander verknüpft sein. Ich werde alle glücklich machen, indem ich den Sohn des Senators heirate.

Alle – außer mich.

Der Champagner summt mir im Kopf. Ich hatte nur zwei Gläser. Wahrscheinlich, weil ich den ganzen Tag über nur eine Orange gegessen habe.

„Ich mach für heute Schluss.“ Ich lächle in die Runde, die noch keinerlei Anzeichen zeigt, nach Hause zu gehen.

„Wie schade!“ Simon umarmt mich mit einem Arm. „Soll ich dich zu deinem Auto begleiten?“

„Nein, bleib bitte! Ich hab Pfefferspray und einen fiesen rechten Haken.“ Mein Lächeln fühlt sich steif an. „Bis morgen zur Call Time.“

Ich winke allen ein letztes Mal, bevor ich aus der Bar gehe, um das Gebäude herum zu dem Platz, wo ich mein Auto geparkt habe.

Ein Pfiff, den ich ignoriere, und ich beschleunige meine Schritte.

Ich habe nicht gelogen, als ich sagte, dass ich einen fiesen rechten Haken habe, und ich habe keine Angst, ihn einzusetzen.

Ich bin in dieser Stadt geboren und aufgewachsen, sie macht mir keine Angst.

Und trotzdem werfe ich einen schnellen Blick über die Schulter, als ich Schritte höre – nur um festzustellen, dass niemand da ist.

Ich schüttle den Kopf und zwinge meinen Puls, sich zu beruhigen. Ich bin albern. Ich bin diese Straßen schon unzählige Male entlanggegangen, und mir ist nie etwas passiert.

Mein Pep-Talk an mich selbst wird jedoch jäh unterbrochen, als mich plötzlich ein Arm von hinten um die Taille packt und mich gegen die Hauswand schleudert.

Ein Schrei bricht mir aus der Kehle, doch mein Mund wird sofort von einer Hand zugedeckt.

Der Typ grinst mich höhnisch an, seine Pupillen unnatürlich geweitet – das verräterische Zeichen, dass er high ist.

Ich versuche, mich aus seinem Griff zu winden, aber er ist größer als ich und hält mich mit seinem Unterleib fest. Galle steigt mir in den Hals, und eine Träne droht aus meinem rechten Auge zu rinnen, doch ich winde mich. Ich werde nicht kampflos untergehen.

„Oh, du bist eine Kämpferin.“ Er lacht auf mich herab. „Keine Sorge, ich mach’s schnell, vielleicht nur die Spitze rein. Eigentlich wollte ich nur deine Tasche abziehen, aber du bist einfach zu hübsch.“

Ich schreie hinter seiner Hand, was ihn nur noch lauter lachen lässt, während seine freie Hand nach meinem Oberschenkel greift.

Ich stecke in richtig, richtig großen Schwierigkeiten.

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